Theo Ramrath


Malerei - Installation - Objekt - Materialcollage
Atelier: Pontstrasse 22, 52062 Aachen
Tel: 0241-39939
mobil: 0174-3993997
Email: galerie-ramrath@netaachen.de
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VITA

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SONSTIGES

Veröffentlichung: Ausstellungskatalog 2020

Retro - und Prospektive RAMart by Theo Ramrath
Materialcollagen-Objekte - Malerie - Installationen

Der Bilderschürfer
Von der Lebendigkeit auratisierten Materials

Wer sich auf die Bildwelt Theo Ramraths einlässt, wird mit einer werkphasengestaffelten Fülle an rätselhaften Formwelten konfrontiert. Typographisch arrangiert, pastos durchwirkt wie gewürzter Teig oder ein schmackhafter Lebensmittelmix, eröffnen sie optisch und atmosphärisch unbekannte Kontinente. In diesen Gefügen orchestrierter Farb- und Materialklänge lassen sich malerische Miniaturen zu Hauf entdecken, von oasenhafter Konstellation fokussierte Inseln, wie Instrumente, Rhythmen und Melodien, die man aus einem Orchester heraushören lernen kann. Die im ersten Moment schnoddrigen Erscheinungsbilder seiner Werke fängt Theo Ramrath mit sorgfältig inszenierten Rahmungen, Oberflächenverarbeitungen und spürbarer Materialfreude auf. Diese nachträgliche oder in der Vorbereitung von Werkgruppen konzipierte Impulskontrolle führt je Werkreihe zu zahlreichen Varianten geordneter Freiheit und kalkulierten Zufalls, die virtuos der Lebendigkeit und der emotionalen Einmischung den Vorrang vor gesetzer Komposition und mathematisch akurater Ordnung geben.

Man muss sich Theo Ramrath als gemäßigt Impulsiven, als lebhaften Spurenhinterlasser vorstellen, als einen Künstler, der schon lange im kombinatorischen Geschäft von gestischen Malerei und Materialcollage tätig ist. Ein erfahrender Kolorist und ebenso mutiger wie bedächtiger Arrangeur an Land gezogener Fundmaterialien. Arte Povera, Spurensuche, Punk und wilde Malerei haben den 1957 geborenen Aachener begleitet, der mit realistischen Graphitzeichnungen anfing. Wandelbar rotzig ist seine Kunst von ihm aus geblieben. Keine harmonische Sinnlichkeit drängt ins genehm Dekorative, aber er watet auch nicht in Dreck und Hinterlassenschaften. Ohne effekthascherisch zu werden, versteht er dosiert würzend Materialeffekte einzusetzen oder Heftiges aus Ehrlichkeit des Vorgehens zu belassen, um dem Betrachter durch Inszenierungen von Werkspuren auf bühnenhaften Untergründen seine Begeisterung über assoziative Formwelten oder subtile Oberflächen zu vermitteln, ohne museale Schauvitrinen zu erzeugen.
Der experimentell-provokative Gestus, das Grelle, die optische Zumutung, die schwärmerische Materialiät des Gebrauchs und der Abnutzung sind ihm nicht abhanden gekommen, sie wirken nur subtil kanalisiert in poetische Gefüge ohne gesuchte Milde, in denen Oberflächenspuren und Farbgebungen Klangqualität bekommen und als laut und leise, flüsternd, raunend oder schreiend beschreibbar werden. Theo Ramrath hat ein sinnliches Materialgespür und spricht kulinarisch über Bildwirkungen, Farbnuancen und Materialien.
30 Jahre Kundenverkehr als Galerist und Buchbindermeister, Auftragseinfühlung in Restaurierung, Rahmung und Buchbindung und zahllose Künstlerbegegnung haben Erfahrungen hinterlassen. Das Haptische einer prüfenden Handbewegung über Oberflächen, die sorgfältige Straffung einer Eckverklebung, der angemessene Druck beim Prägen eines Buches verrät viel von seinen manuellen und optischen Erfahrungen mit Materialwirkung und -einsatz. Nicht Rechtwinkeligkeit, Glanz und Glätte als klassische Präzisionmerkmale prägen seine Materialcollagen, er prägt den Werkstoffen in impulsiver Schnelligkeit Unberechenbares und Teilhabe an seiner Lebendigkeit ein. Die Präzision seiner Arbeiten lebt von Intensität, Nuance, strukturierter Mixtur mit reizvollen und langwirkenden Farben, Materialtexturen und Detaillösungen. Was andere als unschön aussortieren, ist ihm reizvolle Herausforderung. Ausbleichung, Alterung, Schadhaftigkeit, Fleckenbildung, Fragment oder abgestriffene Werkreste aus Leim, Kleber und Farbe, die kleinplastisch und reliefhaft eingesetzt werden, bilden das Vokabular einer anregenden Welt von Spuren und Chiffren. Er lässt Fundstücke oft jahrelang reifen, bis sich ein Kontext findet, in dem sie glänzen können. Er geht liebevoll und zugleich rotzig hemmungslos mit dem Material um und dennoch ist all dies nicht zerstörerisch, ziellos und beliebig, sondern auratisierend. Es steckt in seinen Werkgruppen immer zunächst ein erbrütetes Konzept der Materialauswahl und des Grundarrangements, das eine stabile Tragkraft hat, um darin Variationen zufälliger Spontaneität explosionsartig auszudrücken. Einem Lage- oder Hängeplan ähnlich, konzipiert er wirkungsvolle Materialien, Formate und Bildaufbauten. Neben plastischen Arbeiten, präsentiert er in dieser Ausstellung sieben solcher Werkgruppen ab 2012, mal abstrakte informell-chiffrengeladene Oberflächenbearbeitungen, mal morbide Objektinstallationen, mal grell-ironische Figurationen.
Seine davon älteste Werkreihe ist aus der Not geboren und zur Reife entwickelt. Um eine Materialcollage in einen vorhandenen Rahmen zu füllen, musste ein Brett aufgesägt und aufgefüttert werden. Zu Streifen geschnittene Glasplatten erwiesen sich als geeignetes verbindendes Füllsel. In allen ausgestellten Arbeiten finden sich solche brettdicken Glasstreifenstapel als immer wieder abstandsvariierte Aufteiler, die zugleich Farbigkeit aus dem Untergrund durchscheinen lassen. Da ist subtil noch etwas zu entdecken und hält die Wahrnehmungslust aufrecht. Der fremde und doch zeitlos wirkende Farbraum und Spurenkosmos, der nirgendwo zu Zeichen, Symbol, Schrift oder deutbarem Gegenstand wird, atmet, stets absichtsvoll, ruppig-rohe und sensibel veredelte Bearbeitung geschürften Neulands. Theo Ramrath trägt Schichten auf und wieder ab, lässt die Oberfläche zu einem Erzählraum des Gestaltungsprozesses werden, gibt den Werken tatsächliche eigene Geschichte und nicht die Illusion davon. Spannungsreiche Kalligrapheme ohne Gezirkeltheit, aber doch mit der Anmutung präziser Setzung bevölkern die Spurenträger. Was hier als gebändigter Impuls spürbar wird, birst in einem seiner gestischen Gemälde in einem explosivem Duktus wilder Zeichensetzungen und dem Material abgerungener Oberflächenpräsenz.
Ramrath vermag es, Materialien und Objekte so in Silberrahmen oder Glaskästen zu inszenieren und auratisieren, dass die Gestaltung die Oberhand über die Bedeutung gewinnt, so wie bei der Kalligraphie die Buchstabenformulierung Vorrang vor dem Wortsinn hat. Das zeigen besonders die papierversenkten, rostumflorten Nägelarrangements in verkostbarter Rhythmik.
Collagen, Klappbücher aus gemalten Glasseiten neben verglasten Materialcollagen und Felder mit Leinwandapplikationen, Fäden und Leimen, voll sinnlichwüster Freude am herausfordernd Schroffen, Zersetzten und Materialchemischen mit Poesie, Farbsinn und trotziger Lebendigkeit bilden andere Werkgruppen.
Die schnoddrig beleimten Glascocoons verunklären den dort schlummernden Gegenstand hinreichend, um seine Oberflächenwirkung zu betonen. Durch die mimische Komponente der Formkörper mischt sich Geheimnis und Morbidität mit untergündigem Schalk. Kurze Anglizismen weisen bisweilen den Weg.
Neben informellen Zügen wird es auch unbändig realistisch. Aus der Glasfassade seiner Galerie heraus beobachtet Ramrath jeden Tag städtisches und touristisches Treiben in der Pontstraße. Ein Potpourri von High und Low Society mit zeittypischen Gewohnheiten, Moden und Haltungen ist da zusammengekommen, das er aus der Erinnerung ohne Zuhilfenahme von Fotos auf die Leinwand rausgesprudelt hat. Zwischen Klassenfoto und einschüchternder Phalanx im Schulterschluss zusammengerotteter Typen bilden sich wüst fröhliche Zeitgeister-Versammlungen, angereichert mit Handyknochen und Drink to go bewehrten jugendlichen Dresscode-Individualisten, die in unbekümmerter Manier und sich wundernder Beobachterlaune farbstark und karikaturnah hingerotzt sind. Kopfhaltungen, Körperknicke, Grinselippen und Schminkattacken kommen überzeichnet daher, sind aber gut beobachtet, beziehungsweise erinnerungsgesampelt und voller Farbsequenzen für den Liebhaber malerischer Details. Gelegentlich sind nicht nur die Typen aufrührerisch, sondern auch die Farben. Das materielle Gemachtsein ist die Raffinesse am performten Bild.
So erweist sich Theo Ramrath als Materialzauberer und freier Radikaler, der seine Sensibilität in den Schalk rettet, weil er einen Werteverfall wahrnimmt, wenn aufmerksamkeitsentwöhnte Leute nur mehr glotzen und sich alles vorsetzen lassen: „Restekopulierer und Allesdinierer“, wie ein Werktitel lautet. Die rosarote Brille ist ihm ein rotes Tuch. Farbe und Stoff hingegen, die er feiert, sind ihm materielle Grundlage für geheimnisvolle Welten, wie sie andere unter dem Mikroskop entdecken. Er erzeugt sie mit der Haltung des wilden Malers, der sich selbst auch überraschen lassen möchte, der Lust am Ausbruch aus dem Regelmaß hat, der volles Risiko geht und auf diese Weise lebendig und authentisch bleibt.
Dr. Dirk Tölke



GALERIE

O.T. - 2017 - 4tlg. - 200x260cm-Mischtechnik auf LeinwandO.T. - 2017 - 4tlg. - 200x260cm-Mischtechnik auf Leinwand
O.T. - 2018 - 120x100cm - Mischtechnik auf LeinwandO.T. - 2018 - 120x100cm - Mischtechnik auf Leinwand
Dangerous-Clan-Parkbanch - 2016- 2tlg.- 200x160cm- Acryl auf LeinwandDangerous-Clan-Parkbanch - 2016- 2tlg.- 200x160cm- Acryl auf Leinwand
O.T. - 2019- 120x100cm- Mischtechnik auf LeinwandO.T. - 2019- 120x100cm- Mischtechnik auf Leinwand
O.T. - 2018 - 60x75cm - Materialcollage Holz - Glas - etc.O.T. - 2018 - 60x75cm - Materialcollage Holz - Glas - etc.
Time waits for no one - 2019 - 34x34x158cm - Objektstele-Materialmix-etc.Time waits for no one - 2019 - 34x34x158cm - Objektstele-Materialmix-etc.